Eine Steuerkanzlei in Linz hat fünfzehn Mitarbeitende, sieben laufende Software-Abos und eine Kreditkarte, von der monatlich über 2.000 Euro für Tools abgebucht werden. Slack für die Bürokommunikation, Zoom für Mandantengespräche, Dropbox Business für die Dateiablage, 1Password für die Passwörter, Jamf für die zehn Firmen-iPhones, ein externes Antivirus-Paket auf den Windows-Notebooks, dazu Microsoft 365 Business Standard, weil man ja auch Word, Excel und Outlook braucht. Was niemand in der Kanzlei weiß: Von diesen sieben Tools sind fünf eigentlich schon mit abgedeckt, wenn man statt Business Standard eine Stufe höher geht. Diese Situation ist in österreichischen KMU die Regel, nicht die Ausnahme. In diesem Artikel sehen Sie konkret, welche Tools überflüssig werden, wenn Sie die Microsoft-365-Landschaft sauber nutzen, wie Sie die Konsolidierung in geordneten Schritten angehen und welche Grenzen Sie dabei realistisch kennen sollten.
So entsteht der Tool-Wildwuchs in österreichischen KMU
In Österreich machen KMU mit unter 250 Mitarbeitenden rund 99,7 Prozent aller Betriebe aus, beschäftigen etwa 2,5 Millionen Menschen und erwirtschaften mehr als die Hälfte der Bruttowertschöpfung. Die wenigsten dieser Betriebe haben eine eigene IT-Abteilung. Kaufentscheidungen für Software fallen typischerweise dort, wo das Problem auftaucht: Die Buchhaltung braucht ein Online-Tool, der Vertrieb ein CRM, das Marketing ein Design-Tool, das Office ein Messenger-System. Jede Abteilung wählt nach eigenem Gefühl, die Kreditkarten-Abrechnung läuft über die Geschäftsführung, und nach drei Jahren steht eine Liste, die niemand mehr vollständig kennt.
International zeigen Analysen, dass Unternehmen heute im Schnitt über hundert SaaS-Anwendungen einsetzen und dass ein substanzieller Anteil davon kaum genutzt wird. Auch in Österreich ist die Tool-Landschaft bei KMU heterogen, denn bei Digitalisierungskennzahlen wie Cloud-Nutzung und Data Analytics liegt Österreich im EU-Mittelfeld. Das Bild ist also nicht, dass zu wenig eingesetzt wird, sondern dass das Eingesetzte selten Teil einer Gesamtarchitektur ist.
Typische Auslöser für doppelte Abos
Drei Muster begegnen uns in der Beratungspraxis immer wieder. Erstens: Ein neues Feature wird gebraucht, und anstatt die bestehende Lizenz zu prüfen, wird schnell ein neues Tool gekauft, weil das einfacher ist. Zweitens: Ein Mitarbeiter bringt ein Tool aus dem vorherigen Unternehmen mit und rollt es im Team aus. Drittens: Die IT-Verantwortung wechselt, das neue Systemhaus empfiehlt den eigenen Stack, die alten Verträge laufen aber parallel weiter.
Dazu kommt die Shadow IT. Der Vertrieb nutzt ein Online-Tool zur Unterschrift von Angeboten, die Geschäftsführung signiert über einen anderen Anbieter, die Personalabteilung einen dritten. Keines dieser Abos ist in sich teuer, in Summe und über mehrere Jahre wird daraus eine fünfstellige Belastung.
Was doppelte Tools Ihr Unternehmen wirklich kosten
Die offensichtlichen Kosten sind die Lizenzen selbst. Wer zehn Mitarbeitern Slack Standard zahlt, kommt auf rund 6 Euro pro Nutzer und Monat, also 750 Euro im Jahr. Dropbox Business für fünfzehn Nutzer liegt im ähnlichen Bereich. Ein MDM-Dienst wie Jamf für zehn iPhones nochmals dazu. Schnell stehen 4.000 bis 6.000 Euro jährlich in den Büchern, die durch ein einziges Microsoft-365-Upgrade entfallen würden.
Die versteckten Kosten sind meist höher. Jedes zusätzliche Tool bedeutet ein eigenes Login, ein eigenes Rechtekonzept, einen eigenen Offboarding-Prozess. Wenn ein Mitarbeiter die Firma verlässt, muss jemand in sieben Systemen den Zugriff entfernen, und wenn nur eines vergessen wird, hat dieser ehemalige Kollege weiterhin Zugang zu Firmendaten. Genau hier wird die Rechnung ernst: Laut der aktuellen Studie „Cybersecurity in Österreich 2025“ von KPMG und dem Kompetenzzentrum Sicheres Österreich hatten 32 Prozent der befragten Unternehmen bereits wesentliche Auswirkungen durch Cyberangriffe auf Lieferanten oder Dienstleister zu verkraften, und inzwischen ist jede siebte Cyberattacke auf österreichische Unternehmen erfolgreich. Eine unübersichtliche Tool-Landschaft ist in dieser Bedrohungslage nicht nur teuer, sie ist fahrlässig.
Versteckte Posten, die selten jemand ausrechnet
Fünf Posten fallen bei der Analyse einer typischen KMU-Toollandschaft regelmäßig ins Gewicht: Die Abstimmzeit zwischen Systemen, also was jemand tut, wenn eine Datei im Slack-Chat, im Drive und im Mailpostfach in drei Versionen existiert. Die Einarbeitungszeit neuer Mitarbeiter, die sich in jedem Tool eigene Logins, Shortcuts und Benachrichtigungen einrichten müssen. Die doppelten Supportverträge, weil jedes Tool seinen eigenen Ansprechpartner hat. Die Sicherheitslücke, die entsteht, weil MFA, Passwortrichtlinien und Logging in jedem Tool einzeln konfiguriert werden müssen und deshalb oft nicht konfiguriert werden. Und schließlich die rechtliche Seite, auf die wir gleich zurückkommen.
Der Compliance-Aspekt ab 2026
Mit dem Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 ist die NIS-2-Richtlinie in Österreich seit Jänner 2026 in Kraft. Das Gesetz betrifft mittlere und große Unternehmen aus einer langen Liste von Sektoren, wobei mittlere Unternehmen bereits ab 50 Beschäftigten oder mehr als zehn Millionen Euro Umsatz in Frage kommen. Auch kleinere Betriebe sind indirekt betroffen, weil sie als Lieferanten ihrer größeren Kunden gleichwertige Nachweise liefern müssen. Je unübersichtlicher die eigene Tool-Landschaft ist, desto schwerer wird die Dokumentation der technischen und organisatorischen Maßnahmen, die DSGVO, österreichisches Datenschutzgesetz und NISG verlangen.
Was in Microsoft 365 Business Premium tatsächlich enthalten ist
Microsoft 365 kennt drei Geschäftskundenpläne. Business Basic um rund 4,20 Euro netto pro Nutzer und Monat bietet Teams, Outlook, OneDrive, SharePoint und die Web-Versionen von Word, Excel und PowerPoint. Business Standard um rund 11,70 Euro ergänzt die Desktop-Versionen. Business Premium liegt bei rund 21 Euro und enthält zusätzlich die Sicherheits- und Managementfunktionen, die in den meisten KMU mit anderen Tools nachgerüstet werden.
Entscheidend ist nicht der reine Preisvergleich, sondern was zusätzlich in Premium steckt und ob Ihr Unternehmen die entsprechenden Einzeltools hat. Business Premium bringt über Standard hinaus vier Kernblöcke mit: Defender for Business als Endpoint-Schutz, Defender for Office 365 Plan 1 für die E-Mail-Sicherheit, Microsoft Intune für Geräte- und App-Management, sowie Entra ID P1 als Identitätsplattform mit Conditional Access.
Kommunikation und Zusammenarbeit
Mit Teams, Exchange Online (Mail mit eigenem Domain-Branding, Kalender, Kontakte) und SharePoint haben Sie in Business Premium die gesamte Innenkommunikation abgedeckt: Chat, Kanäle, Audio- und Videokonferenzen mit bis zu 300 Teilnehmenden, gemeinsame Dokumentenbearbeitung in Word, Excel und PowerPoint ohne Dateiduplikate, Intranet-Seiten und Projekt-Websites.
Ab Juli 2026 kommt das Postfach laut Microsoft-Roadmap von 50 auf 100 Gigabyte, und Copilot Chat wird im Plan enthalten sein, ohne Preiserhöhung für Business Premium.
Dateiablage und Dokumentenmanagement
OneDrive liefert jedem Nutzer 1 TB persönlichen Cloud-Speicher mit Versionierung, Offline-Synchronisation und Freigabe-Links, die Sie mit Passwort, Ablaufdatum oder Bearbeitungseinschränkung versehen können. SharePoint bildet dieselbe Funktionalität für Teams und ganze Bereiche ab, mit Rechtekonzepten, Dokumentfreigabe, Aufbewahrungsrichtlinien und Suchindizierung über alle Dokumente hinweg.
Für die meisten KMU ersetzen OneDrive und SharePoint zusammen klassische Ablagelösungen wie Dropbox, WeTransfer oder Google Drive vollständig. OneDrive ist dabei der persönliche Arbeitsbereich, SharePoint die strukturierte Teamebene. Dropbox wird nur dort gebraucht, wo externe Partner eigenständig Dateien einspielen, die nicht in Ihr Verzeichnis wandern sollen.
Sicherheit und Geräteverwaltung
Microsoft Defender for Business ist für bis zu 300 Mitarbeitende ausgelegt und enthält Antivirus, Antimalware und Endpoint Detection and Response auf Windows, macOS, iOS, Android und Linux, mit bis zu fünf Geräten pro Nutzer. Defender for Office 365 Plan 1 schützt den Mail-Eingang gegen Phishing, gefährliche Anhänge und bösartige Links.
Microsoft Intune deckt Mobile Device Management und Mobile Application Management in einer einzigen Konsole ab. Sie können Firmen-Laptops und -Smartphones zentral mit Richtlinien versehen, Apps automatisch verteilen, bei Verlust eines Gerätes die Firmendaten aus der Distanz löschen und BYOD-Szenarien sauber abbilden, also dienstliche E-Mail auf privaten Geräten ohne Zugriff auf private Daten. Wer heute Jamf für den Mac-Park, einen separaten Windows-Management-Dienst und zusätzlich eine MDM-Lösung für iPhones betreibt, kann diese drei Tools in den meisten KMU-Szenarien durch Intune ersetzen.
Microsoft Entra ID P1 ist das Identitätsmanagement darunter. Single Sign-on, Multi-Faktor-Authentifizierung und Conditional Access sind hier enthalten. Mit Conditional Access legen Sie fest, dass der Zugriff auf Firmendaten nur von verwalteten Geräten, aus bestimmten Ländern oder mit zusätzlichem Faktor erlaubt ist.
Die unterschätzten Helfer: Bookings, Forms, Planner, To Do und Power Automate
Business Premium enthält eine Reihe kleiner Anwendungen, die in vielen KMU unbekannt sind und deshalb durch teure Drittanbieter-Abos ersetzt werden. Diese Helfer decken oft genau die Anwendungsfälle ab, für die Sie sonst eigene Verträge abschließen.
Bookings für Terminvereinbarungen
Microsoft Bookings ist eine Terminbuchungsplattform, die in allen Business-Plänen enthalten ist. Kundinnen und Kunden buchen über einen Link selbst einen Termin, Ihre Kalenderverfügbarkeit wird automatisch berücksichtigt, und die Termine landen direkt in Outlook. Erinnerungsmails und Stornobestätigungen laufen automatisch. Für Steuerberatung, Physiotherapie, Coaching oder Friseursalon ersetzt Bookings ein separates Abo von Calendly oder SimplyMeet, das rasch 10 bis 20 Euro pro Nutzer und Monat kostet.
Forms für Umfragen und interne Erfassung
Microsoft Forms erstellt Umfragen, Anmeldeformulare und Quizzes in wenigen Minuten. Das Tool reicht für interne Feedback-Runden, Essenswünsche bei Firmenevents, einfache Kundenzufriedenheitsbefragungen und Onboarding-Fragebögen. Die Ergebnisse landen in Excel oder lassen sich über Power Automate weiterverarbeiten. Google Forms und Typeform sind für interne Zwecke damit in den meisten Fällen nicht mehr nötig.
Planner und To Do für Aufgaben
Microsoft Planner liefert einfache Projekt- und Aufgabentafeln im Kanban-Stil, mit Buckets, Fälligkeiten und Zuweisungen an Teammitglieder. Für KMU, die Trello oder die Einstiegsabos von Asana oder Monday für das Aufgabenmanagement nutzen, ist Planner in den meisten Fällen ein vollwertiger Ersatz. To Do ergänzt das auf persönlicher Ebene, für die eigene Tagesliste und kleinere Team-Aufgaben. Beide Tools synchronisieren mit Outlook und Teams.
Power Automate für Workflows und Automatisierung
Die strategisch wichtigste dieser kleinen Anwendungen ist Power Automate. Damit bauen Sie Workflows zwischen Microsoft-365-Diensten und einer Reihe von Drittanbieter-Systemen, ohne programmieren zu müssen. Typische Automatisierungen in österreichischen KMU sehen so aus: Eine Forms-Umfrage erzeugt automatisch eine Planner-Aufgabe und postet die Antwort in den richtigen Teams-Kanal. Eingehende Lieferantenrechnungen aus Outlook werden per Regel in den passenden SharePoint-Ordner einsortiert und gleichzeitig in einer Excel-Liste protokolliert. Urlaubsanträge laufen über ein Formular und einen zweistufigen Freigabeprozess mit automatischer Benachrichtigung an die Geschäftsleitung. Jeden Montag versendet ein Flow automatisch einen Report über offene Angebote aus einer Excel-Datei oder aus dem CRM.
In Business Premium ist Power Automate for Office 365 mit den Standard-Connectors enthalten, also den Verbindungen zu allen Microsoft-Diensten plus verbreiteten Cloud-Tools wie OneDrive, Dropbox oder Mailchimp. Premium-Connectors für SAP, Salesforce, branchenspezifische Datenbanken und ähnliches verlangen ein Zusatzabo namens Power Automate Premium. Für die meisten Automatisierungen in einem KMU reicht die enthaltene Variante. Wer bisher Zapier oder Make parallel betreibt, spart sich diese Lizenz in vielen Fällen komplett.
Ein realistischer Erwartungswert: Die erste gute Automatisierung spart dem Team ein bis zwei Stunden pro Woche. Fünf oder sechs laufende Flows, die sauber konzipiert sind, setzen bei einem 15-Personen-Betrieb einen halben Personentag pro Woche frei. Wer sich die Einarbeitung nicht selbst zutraut, lässt die ersten Flows von einem erfahrenen Microsoft-Partner bauen und übernimmt danach die kleineren Anpassungen intern.
Typische Tool-Dopplungen und was Sie stattdessen nutzen
Die folgenden Dopplungen sehen wir in österreichischen KMU fast täglich. In vielen Fällen ersetzt Business Premium drei bis fünf Einzeltools. Prüfen Sie die Liste gegen Ihr eigenes Inventar.
Chat, Meetings und Telefonie
Slack, Discord oder WhatsApp-Business-Gruppen werden durch Teams ersetzt. Zoom und Webex durch Teams-Meetings. Externe Meeting-Räume mit festen Links lassen sich über Teams genauso abbilden, inklusive Lobby, Transkripten und Aufzeichnung. Telefonie über Teams Phone ist ein Zusatzpaket, das meist deutlich günstiger kommt als eine separate Telefonanlage plus Softphone-App.
Teams ist in Microsoft-365-Umgebungen die wirtschaftlichere Wahl. Slack punktet bei Drittanbieter-Integrationen im Entwickler-Umfeld, die meisten KMU liegen mit Teams deutlich günstiger und einheitlicher.
Dateien, Links und gemeinsame Bearbeitung
Dropbox, Google Drive, WeTransfer und Tresorit werden für interne Ablage und einfaches Filesharing durch OneDrive und SharePoint ersetzt. Große Dateien teilen Sie per Link mit Ablaufdatum statt per WeTransfer. Gemeinsam an einer Excel- oder Word-Datei arbeiten ist in Microsoft 365 nativ, Sie brauchen dafür keine Add-ons wie Google Workspace parallel.
Mobile Device Management
Jamf für Macs, Workspace ONE für iPhones, ManageEngine für Windows: In einem 30-Personen-Betrieb sind das drei Verträge, drei Konsolen und drei Ansprechpartner. Intune deckt alle genannten Plattformen über eine Oberfläche ab. Nur wenn Sie sehr tiefe Apple-Management-Funktionen brauchen, etwa für eine große Mac-Flotte mit spezifischen Zertifikats- und Imaging-Anforderungen, bleibt Jamf eine sinnvolle Ergänzung.
Endpoint-Schutz und E-Mail-Security
CrowdStrike, Sophos, ESET oder kleine Antivirus-Lösungen auf den Einzelgeräten werden durch Defender for Business abgelöst. Der Schutz gegen Phishing und Spam, den viele KMU über Proofpoint, Hornetsecurity oder SpamTitan als Zusatzdienst einkaufen, ist in Defender for Office 365 Plan 1 enthalten. Für einfache KMU-Szenarien reicht das aus, Spezialbedürfnisse großer Unternehmen sind eine andere Liga.
Der praktische Weg zur Konsolidierung
Bevor Sie Verträge kündigen, sollten Sie strukturiert vorgehen. Wer drei Tools gleichzeitig abschaltet und dann bemerkt, dass ein wichtiger Prozess darauf basiert, verliert mehr als er spart. Das folgende Vorgehen hat sich in österreichischen KMU bewährt.
Schritt 1: Inventur
Listen Sie jedes Software-Abo auf, sortiert nach monatlichen Kosten. Gehen Sie dazu über die Kreditkarten-Abrechnungen der letzten zwölf Monate, die Kostenstelle „IT/Software“ und die Rechnungseingänge der Buchhaltung. Alles unter hundert Euro monatlich zunächst in einer Sammelzeile.
Ergänzen Sie jede Zeile um zwei Spalten: Wer nutzt das Tool, und wofür. Lassen Sie diese Einträge von den Teams selbst vervollständigen, nicht aus dem Bauch heraus. Sie werden überrascht sein, wie viele Tools auftauchen, die Sie nicht kannten, und wie viele schon länger nicht mehr verwendet werden.
Schritt 2: Überlappungsmatrix
Gleichen Sie die Liste gegen die Tabelle im vorigen Abschnitt ab. Markieren Sie für jedes Tool, ob es eine Microsoft-365-Entsprechung gibt und in welcher Lizenzstufe. Tools ohne Entsprechung bleiben bestehen, das sind typischerweise Buchhaltung (BMD, RZL, Haufe, DATEV), CRM (HubSpot, Salesforce), Branchensoftware (TopHotel, Waldsoft für Forstbetriebe, Winestro für Weinbau) und spezifische Design-Tools wie die Adobe Creative Cloud.
Schritt 3: Testmigration
Wählen Sie eine kleine, überschaubare Gruppe, zum Beispiel die Geschäftsleitung plus zwei Teamleitungen, und migrieren Sie diese auf Microsoft 365 Business Premium, wenn Sie noch auf Standard sitzen. Legen Sie Teams, SharePoint-Sites und die ersten Intune-Profile an. Konfigurieren Sie MFA und Conditional Access mit Security Defaults oder mit einfachen Richtlinien, wenn Sie schon auf Entra ID P1 sind.
Lassen Sie diese Gruppe vier bis sechs Wochen parallel arbeiten, sammeln Sie Feedback, justieren Sie Rechte und Richtlinien. Dokumentieren Sie die Konfiguration von Beginn an.
Schritt 4: Vollmigration und Vertragsende
Rollen Sie die Konfiguration auf alle Teams aus, schulen Sie die Belegschaft, und kündigen Sie die ersetzten Tools mit angemessener Übergangsphase. Lassen Sie die Altsysteme drei Monate im Nur-Lese-Modus stehen, damit historische Dateien bei Bedarf nachgezogen werden können.
Eine Förderung für die Umsetzung kann aus dem Programm KMU.DIGITAL kommen. Das Programm bietet Zuschüsse für Beratung und Umsetzung, die aktuellen Fördersätze und Antragsfristen prüfen Sie am besten direkt auf der Förderseite.
Wo Microsoft 365 nicht die richtige Antwort ist
So verlockend die Konsolidierung klingt, es gibt Szenarien, in denen Sie bei Spezialtools bleiben sollten. Wer im Grafik-, Video- oder Audioschnitt arbeitet, braucht Adobe, DaVinci oder Logic, und Microsoft 365 ist kein Ersatz. CRM, Buchhaltung und Lohnverrechnung bleiben bei den österreichischen Spezialanbietern, weil die rechtlichen und steuerlichen Anforderungen dort am besten abgebildet sind.
Was Business Premium nicht abdeckt
Zwei Bausteine werden regelmäßig verwechselt mit „ist ja eh dabei“, sind es aber nicht. Erstens: Ein vollwertiges Backup Ihrer Microsoft-365-Daten. Microsoft sichert die eigene Infrastruktur und hält Dateien kurzfristig über Versionierung und Papierkorb vor, bietet aber keine Langzeit-Datensicherung mit klar definierten Wiederherstellungszeiten. Für DSGVO-konforme Aufbewahrung, Ransomware-Resilienz und die eigene Wiederherstellungsfähigkeit brauchen Sie ein separates Backup-Produkt wie Veeam Backup for Microsoft 365, AvePoint Cloud Backup oder Synology Active Backup for Microsoft 365. Zweitens: Security-Awareness-Schulungen. Business Premium enthält die technischen Schutzmechanismen gegen Phishing, nicht aber die regelmäßigen Phishing-Simulationen und Schulungsmodule, die NISG 2026, ISO 27001 und eine saubere DSGVO-Dokumentation erwarten.
Für hochregulierte Bereiche mit eigenen Compliance-Rahmen, zum Beispiel Finanzdienstleistung mit FMA-Anforderungen, Gesundheitswesen mit ELGA-Anbindung oder sehr große Entwickler-Teams mit speziellen DevOps-Werkzeugen, ist Microsoft 365 zwar ein sinnvolles Fundament, aber selten die komplette Antwort. In diesen Fällen dient die Konsolidierung dazu, die Basis zu vereinheitlichen, während die Spezialtools als bewusste Ergänzung bestehen bleiben.
Auch die Qualität der Umsetzung entscheidet. Microsoft 365 richtig zu konfigurieren ist keine Trivialität. Wer SharePoint-Sites ohne Konzept aufbaut, Intune-Profile kopiert, ohne sie zu verstehen oder Conditional Access zu streng einrichtet, produziert mehr Aufwand als eingespart wurde. Ein externer Microsoft-Partner mit Erfahrung in österreichischen KMU oder eine halbtägige Schulung pro Quartal für einen internen Verantwortlichen gleichen das aus.
Häufige Fragen
Welche Microsoft-365-Lizenz brauche ich wirklich?
Für die meisten KMU mit zehn bis hundert Mitarbeitenden ist Business Premium die wirtschaftlich richtige Wahl, wenn Sicherheit und Geräteverwaltung mitgedacht werden sollen. Business Standard lohnt sich nur für Betriebe, die aus anderen Gründen bereits Defender, Intune und MFA abdecken, zum Beispiel über ein gemanagtes SIEM. Business Basic reicht für reine Web-Nutzung ohne Desktop-Office, etwa in Co-Working-Szenarien.
Wie lange dauert eine saubere Konsolidierung?
In einem Betrieb mit 20 bis 40 Mitarbeitenden rechnen wir mit zwei bis vier Monaten vom Kick-off bis zur Abschaltung der alten Tools. Die technische Umstellung ist meist in zwei bis drei Wochen pro Tool zu schaffen, der Rest sind Schulung, Feedback und das Nachziehen historischer Daten.
Was passiert mit meinen alten Dateien bei der Migration?
OneDrive und SharePoint haben eingebaute Migrationswerkzeuge für Dropbox, Google Drive und Box. Versionen, Freigaben und Ordnerstrukturen werden in den meisten Fällen sauber übernommen. Bei sehr großen Archiven lohnt es sich, einen Partner mit Migrations-Tools wie ShareGate oder AvePoint hinzuzuziehen, das spart Tage bis Wochen Handarbeit.
Verliere ich Flexibilität, wenn ich alles auf Microsoft 365 umstelle?
Sie verlieren die Flexibilität, für jedes kleine Problem das neueste Nischen-Tool auszuprobieren. Sie gewinnen die Struktur, dass Prozesse an einem Ort abgebildet sind und zentrale Sicherheits- und Compliance-Anforderungen sauber umgesetzt werden. Für Ausnahmefälle können Sie Drittanbieter-Tools jederzeit integrieren, Microsoft 365 ist offen gegenüber Standards wie SAML, SCIM und Webhooks.
Bin ich mit Microsoft 365 für NISG 2026 gerüstet?
Microsoft 365 liefert einen großen Teil der technischen Werkzeuge, die das NISG 2026 verlangt, konkret MFA, Verschlüsselung, Rollen- und Rechtekonzepte, Logs und E-Mail-Security. Nicht enthalten sind ein vollwertiges Backup Ihrer Microsoft-365-Daten und regelmäßige Security-Awareness-Schulungen. Beides müssen Sie mit separaten Lösungen ergänzen. Die Umsetzung selbst und die begleitende Dokumentation bleiben in Ihrer Verantwortung. Ein eigener Artikel zu den konkreten NISG-Anforderungen für KMU ist eine lohnende Vertiefung, sobald Sie die Tool-Landschaft geordnet haben.
Kann Power Automate Zapier oder Make ersetzen?
Für die meisten KMU-Automatisierungen ja. Power Automate ist in den Business-Plänen mit Standard-Connectors zu Microsoft-Diensten und verbreiteten Cloud-Tools enthalten. Typische Workflows wie Forms-Antwort in Teams-Kanal, Rechnungen aus Outlook nach SharePoint oder Urlaubsantrag mit Freigabekette lassen sich ohne Zusatzlizenz bauen. Erst wenn Sie Premium-Connectors zu SAP, Salesforce oder branchenspezifischen Datenbanken brauchen, kommt Power Automate Premium als Add-on dazu.
Fazit
Ein typisches österreichisches KMU zahlt heute für fünf bis zehn Tools, die Microsoft 365 Business Premium bereits enthält. Die Ersparnis beginnt bei Lizenzgebühren, die häufigste Konsolidierung spart einem 20-Personen-Betrieb vier- bis fünfstellige Beträge pro Jahr. Die größere Wirkung entfaltet sich in Zeitersparnis, Sicherheit und Compliance-Tauglichkeit, und diese Wirkung ist messbar: weniger Logins, weniger Supportfälle, kürzere Offboarding-Prozesse, ein durchgängiges Sicherheitsmodell. Beginnen Sie mit einer ehrlichen Inventur, gleichen Sie gegen die Überlappungsmatrix ab, migrieren Sie in kleinen Schritten und lassen Sie die alten Tools sauber auslaufen. Für die Umsetzung steht mit KMU.DIGITAL eine etablierte Förderschiene bereit, und ein erfahrener Microsoft-Partner kann die Architektur so auslegen, dass Sie den Nutzen heute und unter NISG 2026 sauber belegen können. Die beste Zeit für die Konsolidierung war vor zwei Jahren, die zweitbeste ist jetzt, bevor der nächste Software-Vertrag stillschweigend verlängert wird.
Wir unterstützen Sie gerne dabei mit unserem kostenlosen Microsoft 365-Check.
Quellenverzeichnis
- Cybersecurity in Österreich 2025 – KPMG Österreich in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Sicheres Österreich, 2025. Grundlage für die Zahlen zu erfolgreichen Cyberangriffen und zu Lieferkettenrisiken in österreichischen Unternehmen.
- Netz- und Informationssystemsicherheitsgesetz 2026 (NISG) – Offizielle Anlaufstelle NISG des österreichischen Bundeskanzleramts. Primärquelle für Inkrafttreten, Schwellenwerte und Pflichten der NIS-2-Umsetzung in Österreich.
- KMU.DIGITAL – Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus gemeinsam mit aws. Förderprogramm für Beratung und Umsetzung digitaler Projekte in österreichischen KMU.

